S-Bahn in Kanada

Meeresbiologe
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S-Bahn in Kanada

Beitragvon Meeresbiologe » Mittwoch 9. Februar 2011, 12:14

Beitrag von Husky vom 09.12.2010 12:12
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Agence métropolitaine de transport (AMT; English: Metropolitan Transportation Agency)

http://en.wikipedia.org/wiki/Agence_m%C ... _transport

VIArail
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Re: S-Bahn in Kanada

Beitragvon VIArail » Sonntag 29. April 2012, 04:25

Wie auch in den USA so sind auch die Vorortbahnnetze in den kanadischen Großstädten kaum mit S-Bahn-Netzen nach deutschen Vorstellungen vergleichbar. GO Transit in Toronto, West Coast Express in Vancouver und auch die meisten Strecken der AMT in Montréal haben doch eher Regionalbahncharakter. Ich glaube mit diesen drei Ballungsräumen sind auch schon alle genannt in denen es überhaupt schienengebundenen Vorortverkehr gibt. Korrigiert mich wenn ich mich da irren sollte. Beim West Coast Express in Vancouver zu Beispiel gibt es nur eine einzige Strecke von Vacouver Waterfront Sta. nach Mission. Der einzige Bahnhof im Stadtgebiet von Vancouver ist eben jene Waterfront Station. Außerdem wird er, wie auch die meisten anderen Vorortbahnen in Kanada, mit Dieselloks betrieben.

GO Transit in Greater Toronto hat ein ziemlich ausgedehntes Liniennetz. Auffällig ist auch hier wieder, dass es relativ wenige Bahnhöfe im Stadtgebiet von Toronto gibt und das auch relativ weit entfernt gelegene Orte (z.B. Barrie/Allandale, ca. 90-100 km) bedient werden. Ich weiß nicht inwieweit die Entfernung eine Rolle spielt aber ich glaube man kann sagen, dass in deutschen S-Bahn-Netzen eher der engere Vorortbereich erschlossen wird, oder? Auch hier kommt wieder ausschließlich Dieseltraktion zum Einsatz, übrigens mit dem gleichen rollenden Material wie auch beim West Coast Express. Laut Wikipedia wird aber demnächst untersucht, ob es sich lohnt zumindest einige Strecken zu elektrifizieren. Ich habe das auch schon auf einigen anderen Websites gelesen. Mich würd's freuen wenn in der Richtung mal was passieren würde.
Auf den Bildern: Vorortzüge von GO Transit bei der Ein- bzw. Ausfahrt in bzw. aus Toronto Union Station
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Im Netz von AMT in Montréal gibt es zumindest eine Linie, die einer deutschen S-Bahn am nächsten kommen könnte und zwar die Deux-Montagnes Line. Es ist die einzige Linie im gesamten Netz die elektrisch (25 kV, 60Hz aus Oberleitung) verkehrt und dürfte damit eine der wenigen elektrischen Bahnen in Kanada überhaupt sein (U-Bahn-, Straßenbahn- und Stadtbahnnetze mal ausgeklammert). Außerdem liegen zahlreiche Stationen dieser Linie tatsächlich innerhalb des Stadtgebietes von Montréal. Direkt hinter Montréal Central verläuft die Strecke durch den ca. 5 km langen Mount Royal Tunnel. Dieser Tunnel war auch der Hauptgrund dafür dass die Linie überhaupt elektrifiziert wurde. Die Vorortzüge sind derzeit die einzigen die die den Tunnel nutzen ob die Strecke nördlich des Tunnels auch noch von Güterzügen befahren wird kann ich leider nicht mit Bestimmtheit sagen. Ansonsten sind Strecken, die ausschließlich für den Vorortverkehr reserviert sind, wohl etwas, das man hierzulande vergeblich sucht. Oder hat da jemand vielleicht andere Informationen? Derzeit ist übrigens die Repentigny-Mascouche Line im Bau deren Züge ebenfalls den Mount Royal Tunnel nutzen werden. Doch anstatt auch diese Linie komplett zu elektrifizieren hat man hierfür lieber Dual-powered Loks (ALP-45DP) von Bombardier beschafft, die dann unter Oberleitung durch den Tunnel fahren und für die restlichen 40 km auf Diesel umschalten. Abgesehen von der Deux-Montagnes Line werden überwiegend dieselbespannte Doppelstockzüge eingesetzt (überwiegend dieselben Fahrzeuge wie in Toronto und Vancouver). Es finden sich aber außerdem auch einstöckige, dieselbetriebene MUs. Auf der Blainville–Saint-Jérôme Line (weiß nicht genau, ob auch auf anderen) kommen z.T. auch die modernen Dostos von Bombardier zum Einsatz, die auch bei NJ Transit eingesetzt werden. Im Vergleich könnte man vielleicht sagen, dass das Netz in Montréal einem deutschen S-Bahn-Netz am nächsten kommt.
Aus Montréal hab ich leider (noch) keine Bilder. Ich hoffe, dass ich das demnächst mal ändern kann.

Fazit: Wie für die USA so gilt auch für Kanada, dass man die Leute hier wohl nie aus ihren Autos rausbekommen wird, weswegen Projekte für den schienengebundenen ÖPNV immer recht langwierig und ziemlich schwer durchzusetzen sind.

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Re: S-Bahn in Kanada

Beitragvon Spandauer » Sonntag 29. April 2012, 09:54

Ich weiß ja nicht warum unbedingt alles mit deutschen Dingen verglichen werden muß?

ABER:

- gibt es auch in Deutschland S-Bahn-Netze mit relativ wenigen Haltestellen im Stadtbereich und langen Laufwegen
- ist der elektrische Betrieb keine Bedingung für ein S-Bahnnetz
- haben Kanada und USA ein völlig anderes Arbeits- und Freizeitverhalten als wir in Deutschland


Ich weiß nicht wie Du darauf kommst, daß es in den USA und Kanada schwieriger sei ÖPNV-Netze auszubauen als in Deutschland. Überall schießen in den USA neue Commuter- und Lightrail-Systeme wie Pilze aus dem Boden und werden vorhandene Busnetze ausgebaut.
Laut Wikipedia besitz Toronto nach New York City und Mexico-Stadt das drittgrößte Nahverkehrssystem Nordamerikas.
Es gibt neben den Go-Transit Bahnstrecken noch Buslinien von Go-Transit, dazu 3 U-Bahnlinien, eine Stadtbahn, 11 Streetcar-Strecken und 140 Buslinien.


Für Chicago kann ich anbieten:

- 11 Bahnstrecken mit S-Bahn ähnlichem Verkehr und Takt
- 1 Überlandstraßenbahn
- 8 U-Bahn/Hochbahn-Linien mit teilweise S-Bahn ähnlichem Verkehr
- 140 Buslinien mit fast 12000 Haltestellen(!) die Busse fahren in Takten von 5-15 Minuten

Der ÖPNV in den USA wird nach meinen Beobachtungen sehr gut genutzt und ist in den meisten Fällen äußerst preiswert. Auf einen PKW werden die wenigsten Nordamerikaner verzichten können, was an der völlig anderen Siedlungsstruktur und den damit verbundenen Einkaufsmöglichkeiten liegt.
Allerdings geht der Trend in einigen Vororten zum elektrischen Zweitwagen, nämlich dem Golfcar und der Stadtbewohner sowie die Stadtväter erkennen das Fahrrad langsam als Verkehrsmittel an und handeln entsprechend.

Für jemanden, der das Auto und den MIV per se als ein unbedingt abzuschaffendes Übel betrachtet wird das immer noch zu wenig sein. Im Vergleich zu der Zeit von vor 40-50 Jahren (als die dicken Spritfresser vor jeder Einfahrt standen) ist das alles ein riesen Fortschritt und braucht den Vergleich zur Autofahrernation in Europa nicht zu scheuen!

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Re: S-Bahn in Kanada

Beitragvon VIArail » Sonntag 29. April 2012, 18:40

Spandauer hat geschrieben:Ich weiß ja nicht warum unbedingt alles mit deutschen Dingen verglichen werden muß?

ABER:

- gibt es auch in Deutschland S-Bahn-Netze mit relativ wenigen Haltestellen im Stadtbereich und langen Laufwegen
- ist der elektrische Betrieb keine Bedingung für ein S-Bahnnetz

Okay, ich gebe zu, dass ich mich beim Begriff "S-Bahn" wohl immer (noch) an die Vorstellung klammere, die S-Bahn sei sowas wie eine zweite Metro à la Berlin, die zwingend in kurzen Taktzeiten, mit kurzen Haltestellenabständen, (zumindest überwiegend) auf eigenen Gleisen und unabhängig vom Individualverkehr verkehren muss. Aber, wie ja auch schon jemand im Forum "S-Bahnen in den USA" geschrieben hat ist der Übergang zwischen S-Bahn und Regionalbahn fließend.

Spandauer hat geschrieben:Ich weiß nicht wie Du darauf kommst, daß es in den USA und Kanada schwieriger sei ÖPNV-Netze auszubauen als in Deutschland. Überall schießen in den USA neue Commuter- und Lightrail-Systeme wie Pilze aus dem Boden und werden vorhandene Busnetze ausgebaut.
Laut Wikipedia besitz Toronto nach New York City und Mexico-Stadt das drittgrößte Nahverkehrssystem Nordamerikas.
Es gibt neben den Go-Transit Bahnstrecken noch Buslinien von Go-Transit, dazu 3 U-Bahnlinien, eine Stadtbahn, 11 Streetcar-Strecken und 140 Buslinien.

Okay, was Kanada angeht haben wohl Montréal und Toronto die dichtesten Nahverkehrsnetze (Busverkehr jetzt mal außen vor gelassen, denn es geht ja hier um den Schienen-ÖPNV). Trotzdem meine ich, dass man eigentlich nur einen Blick auf die Karte werfen muss um zu sehen, dass z.B. die U-Bahn-Netze in Toronto und Montréal für Städte dieser Größe etwas unterdimensioniert sind. Und da zumindest in Montréal bei den Vorortbahnen außerhalb der Rush Hour kaum Betrieb stattfindet (ich glaube mich zu erinnern, dass in Toronto die Fahrpläne etwas großzügiger sind) können die das auch schlecht kompensieren.
Der U-Bahn-Bau in Toronto wurde in den 90ern wegen Geldmangels gestoppt, nachdem der erste Abschnitt der Sheppard Line abgeschlossen war. Die ist jetzt eine Stummellinie mit nur 5 Stationen. Immer wieder wurden dann verschiedene Stadtbahnprojekte ins Gespräch gebracht, die es jedoch nie über die Planungsphase hinaus geschafft haben. Jetzt hat man sich ja doch endlich dazu durchgerungen, die Eglinton-Scarborough Crosstown LRT zu realisieren. Die Bauarbeiten haben begonnen. Bleibt zu hoffen, dass sie das auch bis zum Ende durchziehen und die Bauarbeiten nicht eingestellt werden, sobald eine neue Regierung oder ein neuer Bürgermeister gewählt werden, die meinen, sie müssten die Proritäten woanders setzen.

Vergangenen Dienstag war ich übrigens mit dem Auto in Montréal. Für die letzen 10 km habe ich doch glatt eine dreiviertel Stunde gebraucht weil ich während der Rush Hour zwischen 17.00 und 18.00 Uhr unterwegs war, als sich die Blechlawine über die Autobahnen wälzte. Eigentlich hätte sich für mich die U-Bahn angeboten, weil mein Ziel nämlich in unmittelbarer Nähe zur Atwater Metro Station lag. Leider war ich nur der Beifahrer und sowohl Fahrer als auch der zweite Mitfahrer wollten kein Geld für U-Bahn Tickets ausgeben.

Fairerweise muss man aber sagen, dass, auch wenn das Auto des Kanadiers liebstes Kind sein mag, zumindest in Québec auch erstaunlich wenig für die Instandhaltung und den Ausbau des Straßen- und Autobahnnetzes getan wird. Bestes Beispiel: Champlain Bridge in Montréal.

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Re: S-Bahn in Kanada

Beitragvon RF96 » Mittwoch 2. Mai 2012, 16:50

Die GO-Trains sind zu vergleichen mit RE's. So einen dichten Abstand haben die in Toronto, bzw im GTA auch nicht. Da fahren überall Busse von 3+ Unternehmen (TTC, YRT, GO...), aber alle mit Schrotttakt und komplizierten Preissystemen. Wir in Deutschland sollten nichts über unseren ÖPNV zu meckern haben... :twisted:
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Re: S-Bahn in Kanada

Beitragvon Meeresbiologe » Montag 29. Dezember 2014, 18:41

Die Fahrten dort sind teuer als in Deutschland wei einer wie hoch dort die Staatlichen zuschüsse sind?

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Re: S-Bahn in Kanada

Beitragvon Meeresbiologe » Donnerstag 25. Juni 2015, 16:57

Derzeit gibt es Überlegungen das S Bahn System Torontos bis nach Buffalo zur verlängern über Niagara. Länder übergreifende S Bahn Systeme gibt es ja bereits auf der Welt doch gibt es hier die besonderheit der US Grenze.

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Re: S-Bahn in Kanada

Beitragvon Nippes » Dienstag 8. März 2016, 22:32

Meeresbiologe hat geschrieben:Beitrag von Husky vom 09.12.2010 12:12
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Agence métropolitaine de transport (AMT; English: Metropolitan Transportation Agency)

http://en.wikipedia.org/wiki/Agence_m%C ... _transport



Die Hupe auf dem Foto ist ja so ziemlich die geilste, die ich je gesehen habe! :D

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Re: S-Bahn in Kanada

Beitragvon Cmbln » Mittwoch 16. März 2016, 07:41

Und das Wort "Hupe" ist das schlechteste was ich in dem Zusammenhang gehört habe bisher. :twisted: ;)
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Nippes
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Re: S-Bahn in Kanada

Beitragvon Nippes » Dienstag 19. Juli 2016, 01:02

...war auch so gemeint.
Ich würd' die Dinger gern mal hören !


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Re: S-Bahn in Kanada

Beitragvon Nippes » Dienstag 6. September 2016, 16:38

Ja, danke.
Der Freak der auf dem langen Video konstant labert ist aber schon heftig...


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