Tunnelbahnhof Stuttgart Flughafen und die Bahnsteighöhe

Alles rund um die S-Bahn Stuttgart (Betreiber: DB Regio AG)
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Flughafenbahnhof
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Re: Tunnelbahnhof Stuttgart Flughafen und die Bahnsteighöhe

Beitragvon Flughafenbahnhof » Mittwoch 1. November 2017, 15:24

S-Bahn-Foto aus Stuttgart vom Tunnelbahnhof "Hauptbahnhof". Zu sehen der ET 430 und dem "Schmankerl" Schiebetritt. An der Außenseite dieser S-Bahn sieht man keine dicht an der Bahnsteigkante schließende Türe. Die untere Türkante ist ca. 10 cm höher.
So was nennt man "Fortschritt".

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Re: Tunnelbahnhof Stuttgart Flughafen und die Bahnsteighöhe

Beitragvon Flughafenbahnhof » Donnerstag 2. November 2017, 00:23

Die S-Bahn Stuttgart verfügt nun über 97 neue Fahrzeuge (ET 430). Die letzten 10 dieser 97 ET 430 waren eine Nachbestellung der "Region Stuttgart". Damit fahren die Nummern 430 001 bis 430 097 in Stuttgart. Man wollte ja unbedingt bundesweit Erster sein. Die Frankfurter S-Bahn bestellte vernünftigerweise später und ohne dem "Schmankerl" Schiebetritte.

Zudem verfügt die S-Bahn Stuttgart auch noch über 60 ET 423, die eine "Frischzellenkur" erhalten haben, um sie dem "Standard" der ET 430 anzupassen.

Link: http://www.s-bahn-stuttgart.de/s-stuttg ... zeuge.html

Bei der Nachbestellung der letzten zehn ET 430 musste die Region das finanzielle Risiko übernehmen, falls auch bei diesen die Schiebetritte nicht funktionieren.

Näheres dazu im Zeitungsartikel mit der Überschrift:

"Region kauft noch zehn Pannenzüge"

Link: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal ... 1e4ca.html

Diesem Artikel kann man auch entnehmen, dass die "Region Stuttgart" noch mal 4,7 Mio. EUR für jeden dieser zehn ET 430 bezahlen muss, wenn die Schiebetritte ausgebaut werden müssen (wenn nötig - also wenn auch diese nicht funktionieren).

Allerdings kann mit den 4,7 Mio. EUR pro ET 430 nicht der gesamte Fahrzeug-Innenraum-Boden gesenkt werden - sondern es kann nur eine Absenkung im Einstiegsbereich erreicht werden. Ich stelle mir vor, wie das dann ausschauen möge...

Bei den ersten 87 Stück der ET 430 müsste der Hersteller Bombardier diese Kosten tragen. Bombardier hat es jedoch geschafft, die Verantwortlichen der S-Bahn-Bestellung (bei denen damals das Thema Einstiegshöhe noch kein Thema war) davon zu überzeugen, dass mit einer neuen Software die Lösung kommt. Nun wartet man schon Jahre, auf diese Lösung. Seither können auch geübte Rollstuhlfahrer nicht mehr ohne fremde Hilfe in Stuttgart in die S-Bahn einsteigen (was davor Jahrzehnte lang möglich war). Die Software-Lösung sieht vor, dass durch das Ausfahren der Schiebetritte nur noch ca. 3 Sekunden dauert. Das bedeutet, dass pro Halt es nur noch ca. 3 Sekunden länger dauern soll, bis die Schieberitte ausgefahren sind und danach die Türen geöffnet werden können. Da kommt bei einer abgefahrenen Linie ganz schön was zusammen. Bislang brauchten mit der bisherigen Software die Schieberitte mehr als 9 Sekunden, bis die Türen geöffnet werden können. Damit ist praktisch kein bisheriger Fahrplan einzuhalten. Auch daher sind sie bis heute abgeschaltet. Also selbst wenn das Wunder geschehen sollte, dass die Schieberitte nach aktueller Planung im Jahr 2018 dann endlich eingesetzt werden können, bekommt man eine langsame S-Bahn. Die Pendler werden sich "freuen"...

In München schaut man, dass sofort nach dem Anhalten einer S-Bahn die Türen aufgehen, um den Fahrplan noch besser einhalten zu können. In der Tunnel-Stammstrecke in der Münchner Innenstadt gehen schon lange alle Türen von alleine auf, kaum dass eine S-Bahn zum Stehen gekommen ist. Kein Kunde muss einen Knopf drücken. Und die Türen gehen auch alle wieder gleichzeitig zu.

Hier noch ein Foto (Oktober 2017) von der S-Bahn-Station "Vaihingen".
Man sieht die hohe Kante, die man seit der Einführung des ET 430 in Stuttgart beim Einstieg überwinden muss:

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Re: Tunnelbahnhof Stuttgart Flughafen und die Bahnsteighöhe

Beitragvon Flughafenbahnhof » Dienstag 7. November 2017, 01:41

Letztes Wochenende war ich mal wieder als Referent für Schwerbehinderten-Vertreter eingeladen. Diesmal war der Schwerbehinderten-Arbeitskreis in Stuttgart. Auf diesen Standort hatte ich mich ganz besonders gefreut. So hatte ich doch gehofft, mehr über das Problem mit der verloren gegangenen ebenerdigen Einstiegshöhe zu erfahren.

Auch bei diesem Treffen der Schwerbehinderten-Vertreter habe ich vom S-Bahn-Forum.de berichtet. Herzliche Grüße an diesen Leserkreis!

In Stuttgart zeigte man sich vor allem überrascht, dass das Thema inzwischen bis ins ferne Bayern vorgedrungen ist und dass der Bayerische Rechnungshof in seinem Jahresbericht über das Problem mit den nicht funktionierenden Stuttgarter "Schiebetritten" schreibt, während der Rechnungshof von Baden-Württemberg sich darüber scheinbar ausschweigt.

Sehr überrascht hat mich die Tatsache, dass viele Rollstuhlfahrer ihre eigene Rampe im Gepäck haben. Vor allem Rollstuhlfahrer von Elektro-Rollstühlen kommen auch mit Hilfe des Ehepartners nicht mehr in die S-Bahn, wenn man keine eigene Rampe dabei hat.

Zwar kann auch über den Triebfahrzeugführer eine eigene Rampe ausgefahren werden, aber in der Praxis klappt das nicht immer. Die eigene Rampe ist schneller und praktischer. Aber ist sie auch sicherer? Oft ist es der Ehepartner, der schnell die Rampe in die S-Bahn legt, und sofort nach Auf- bzw. Abfahrt des Elektro-Rollstuhls die Rampe wieder einpackt. Es gab auch schon Reaktionen von besorgten Triebfahrzeugführern.

Ehrlich gesagt, für mich ist das schon eine sehr traurige Notlösung. Jahrzehntelang brauchte man so was in der S-Bahn in Stuttgart nicht, und seit 4 Jahren nun so was...

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Klage wegen Einstiegs-Bereich der S-Bahn

Beitragvon Flughafenbahnhof » Sonntag 19. November 2017, 21:47

Man kann es sich leicht ausmalen, was in München los wäre, wenn da plötzlich S-Bahnen (ET 430) mit "Schmankerl" (nicht funktionierende) Schiebetritte fahren würden:

Eine 64-jährige Münchnerin wollte in der Münchner S-Bahn Station "Rosenheimer Platz" in die ebenerdige S-Bahn einsteigen und baute trotzdem einen Unfall. Sie klagte auf Schmerzensgeld, und das Münchner Amtsgericht bestätigte nur, dass sie selbst schuld ist. (Recht so!)

Der Münchner Merkur schreibt:

"Die Frau hätte von der Existenz des Spalts wissen müssen, da sie angab, bereits seit 40 Jahren mit S- und U-Bahn in München unterwegs zu sein. Zudem habe kein Fremdeinwirken zu dem Unfall geführt. Zudem meinte der Richter, „dass der Spalt mit 14 Zentimetern nicht besonders breit ist und bereits bei Beachtung geringer Sorgfaltsanforderungen mühelos überwunden werden kann“. "

Kann man nicht wieder nagelneue Stuttgarter S-Bahnen nach München ausleihen, so wie damals viele im Jahr 1993? Das wäre vermutlich was los... Wenn die Stuttgarter schon nicht klagen, gegen die "10-cm-Kante", dann würden es wohl die Münchner tun... (Ist nicht ganz ernst gemeint, aber es würde durchaus einiges klären.)

Hier der Zeitungsbericht vom Münchner Merkur, zuletzt aktualisiert am 18.11.2017:
https://www.merkur.de/lokales/muenchen/ ... 74573.html


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