[Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Alles rund um die S-Bahn Berlin (Betreiber: DB Regio AG)
Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

[Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:10

So, wie angekündigt, eröffne ich hier mal einen Thread über die Besonderheiten des Gleichstrombetriebes der Berliner S-Bahn...

Wie allgemein bekannt sein dürfte, fährt die Berliner S-Bahn mit 800 V Gleichstrom aus einer von unten bestrichenen, seitlichen Stromschiene. Der Grund dafür ist einfach: Als man in den 1920´er Jahren begonnen hat, die Berliner Vorortstrecken von Dampf auf Strom umzustellen, war die Gleich-Stromschiene die für damalige Verhältnisse praktikabelste und günstigste Variante! Heute würde man das nicht mehr so machen, hat sich doch flächendeckend der Betrieb mit 15 kV 16 2/3 Hz durchgesetzt. Nur die Hamburger S-Bahn fährt ebenfalls mit Gleichstrom, allerdings mit 1200 V aus einer seitlich bestrichenen Stromschiene. Deswegen sind die Fahrzeuge beider Netze auch nicht ohne Weiteres austauschbar... schade eigentlich! :roll: :wink:
Es gab auch immer wieder Planungen, die Berliner S-Bahn ebenfalls auf Wechselstrom umzustellen, leider wurde aus Kostengründen daraus nichts. Hauptgrund dafür ist aber auch das eingeschränkte Regel-Lichtraumprofil im Nord-Süd-Tunnel. Auch aus einer geplanten Erhöhung der Spannung auf 1500 V zu Deutsche-Reichsbahn-Zeiten ist nichts geworden... :(

Beginnen möchte ich mal mit Fotos der unterschiedlichen Stromabnehmer der verschiedenen Baureihen... zuerst die BR 481:


Bild

Bild


Und der sogenannte Kurzschließer:

Bild

Dieser wird vom Lokführer aus dem Führerraum aus bedient, um z.B. bei Personenunfällen etc. die Streckenspannung abzuschalten..

Alle vier Stromabnehmer (SA) eines Viertelzuges (VZ) sind bei allen Baureihen über eine Ausgleichsleitung elektrisch miteinander verbunden. Das bedeutet, daß alle SA eines VZ unter Spannung stehen, wenn nur ein einziger SA mit der Stromschiene Kontakt hat. Achtung, Lebensgefahr !! Die BR 485 stellt diesbezüglich noch eine Besonderheit dar: Bei ihr wird über die E-Kupplung der Scharfenbergkupplung auch die Starkstromleitung verbunden! Somit stehen dort alle SA eines kompletten Zuges unter Spannung, wenn nur ein einziger SA Kontakt mit der Stromschiene hat...! Ebenfalls stehen bestimmte Kontakte der E-Kupplung unter 800 V, was auch dort ein besonders umsichtiges Hantieren erfordert..

Auf dem ersten Bild kann man links vom SA auch schön den sogenannten Aufsteckdorn erkennen. Dort wird in den Betriebswerkstätten über ein Kabel (Deckenstromschienen-Kabel) die Spannung aufgesteckt, da es in den Werkhallen keine Stromschienen gibt.
Dort braucht man dann einen Rangierer, der das Kabel in der Hand mitführt, um den Zug an seinen geplanten Platz in der Halle oder draußen zurück an die Stromschiene zu führen.
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:11

Als Trennstellen werden Stromschienenlücken bezeichnet, die länger als ein Viertelzug sind. In jedem Fall sind diese Trennstellen durch Signale "El 1" gekennzeichnet. El 1 = Ausschaltzeichen -> Das bedeutet bei Wechselstrom: "Hauptschalter aus"; bei Gleichstrom "Fahrsteuerung unterbrechen". Bei uns bleibt der Hauptschalter also an.

Es gibt zwei Arten von Trennstellen. Entweder werden zwei Speiseabschnitte der Gleichstrom-Unterwerke dadurch abgetrennt:

Bild

Bild


Oder aufgrund von Weichenverbindungen lassen sich große Stromschienenlücken nicht vermeiden:

Bild


Die Signale El 2 "Einschalten erlaubt" sind dann soweit hinter der Trennstelle aufgestellt, wenn ein Vollzug diese durchfahren hat: (Vergleichbar mit dem "ICE-Zeichen" bei Wechselstrom)

Bild

Bild


Und nun kommen wir zu den Besonderheiten der BR 485: Bei dieser ist, wie bereits geschrieben, die Starkstromleitung durchgekuppelt. Das bedeutet also auch, daß Trennstellen durch diese Fahrzeuge elektrisch überbrückt werden! Was den Fahrkomfort für den Triebfahrzeugführer erhöht (Trennstellen, und damit die El-Signale, brauchen nicht beachtet zu werden) hat aber seine Nachteile! Nicht im normalen Fahrbetrieb, aber im Störungsfall: Steht ein kurzgeschlossener Zug der Baureihe 485 überbrückend in einer Trennstelle, können ältere Gleichrichter-Unterwerke unter Umständen diesen Kurzschluß nicht erkennen und schalten eventuell nicht ab! Das ist das ganze Geheimnis, warum die BR 485 auf manchen Streckenabschnitten, und zwar welchen mit einer ganz bestimmten älteren Gleichrichter-Unterwerk-Bauart, nicht fahren dürfen...

Diese Streckenabschnitte sind:

Blankenburg-Birkenwerder
Waidmannslust-Hohen Neuendorf
Schönholz-Hennigsdorf
Hoppegarten-Strausberg Nord
Friedrichshagen-Erkner
Grunewald-Potsdam


Auf allen anderen Strecken darf der 485´er fahren... entgegen anderslautenden Gerüchten auch im Nord-Süd-Tunnel... sogar bis Wannsee!
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:12

Gesteuert wird die Stromversorgung der Berliner S-Bahn von der sogenannten Schaltwarte aus. Diese befindet sich am Ostkreuz, im Markgrafendamm. Desweiteren gibt es dann im gesamten Netz verteilt die Unterwerke:

Bild

(Foto aus Schönholz)


Leider ist die Stromversorgung nicht im gesamten Netz gleich gut. Normalerweise ist die Stromaufnahme z.B. bei der BR 481 auf 900 Ampere pro VZ eingestellt. Schaltet man die Netzstrombegrenzung im Zug ein, ist die Stromaufnahme auf 500 A begrenzt, also etwa halbe Anfahrzugkraft. Es gibt aber auch Strecken, wo wegen schwacher Stromversorgung die Netzstrombegrenzung bei der BR 481 automatisch vom FIS gesteuert eingeschaltet wird. Diese Strecken sind:

Hoppegarten-Strausberg Nord
Schönholz-Tegel
Karow-Bernau

Bei der Baureihe 480 wird die Netzstrombegrenzung nicht automatisch vom FIS eingeschaltet, deswegen kann es mit dieser Baureihe auf oben genannten Strecken zu Problemen kommen, wenn man die Begrenzung nicht manuell einschaltet. Vorgeschrieben ist es allerdings nicht!

Es gibt außer der FIS-gesteuerten und der manuellen Einschaltung der Netzstrombegrenzung noch andere Fälle, wo die Züge der BR 480 & 481 nur mit halber Kraft fahren: Und zwar verfügen beide Baureihen über Kontakte in den Stromabnehmern die prüfen, ob der SA an der Stromschiene anliegt oder nicht. Da die Stromschiene den Schleifschuh* nach unten drückt, schalten dann die entsprechenden Kontakte. Es müssen pro VZ immer mindestens zwei SA an der Stromschiene anliegen, damit der Zug mit voller Kraft fährt. Da es viele kleine Stromschienenlücken im Netz gibt, entsteht so das charakteristische Ruckeln, was bei der Baureihe 481 noch mehr auffällt als beim 480´er... Wenn nämlich ein Vollzug eine kleine Stromschienenlücke durchfährt, schaltet der Zug viermal von voller auf halbe Kraft und zurück... Das ist nur einer von vielen Nachteilen des Gleichstrombetriebes. Die Baureihe 485 hat übrigens solche Kontakte nicht. Generell hat diese Baureihe die besten Stromabnehmer...

*Das ist der Schleifschuh: Bild

Zu den allerhäufigsten Störungen an SA gehört es, diesen Schleifschuh zu verlieren. Der schadhafte SA muß in diesem Fall dann manuell abgeklappt werden. Das fahren mit einem abgeklappten SA ist sehr unschön, da dann bereits die kleinste Stromschienenlücke eine Trennstelle ist! Naturgemäß macht dieser Schaden bei der BR 485 weniger aus, weil ja alle SA des Zuges durch die Starkstromleitung verbunden sind und daher ein fehlender SA nicht weiter ins Gewicht fällt. Ironischerweise sind verlorene Schleifschuhe bei der BR 485 aber absolut die Ausnahme, ich kann mich z.B. an einen einzigen Fall bei mir in den letzen 6 Jahren erinnern, solange habe ich diese Baureihe. Bei der BR 481 passiert sowas schon öfter, auch kam es bei dieser Baureihe in der Vergangenheit öfter mal zu Bränden an den Stromabnehmern! Diese gingen bisher aber immer glimpflich aus...

Verlorene Schleifschuhe hingegen sind ein riesiges Problem der BR 480! Deren Stromabnehmer sind eine große Fehlkonstruktion, vornehm ausgedrückt! Was hier noch erschwerend hinzukommt: Muß man einen SA wegen einem Defekt abklappen, funktioniert im gesamten Viertelzug die Heizung nicht mehr! Also wenn ihr mal in einem kalten 480´er sitzt, liegt das zu 99% an einem defekten Stromabnehmer! Auf die SA der BR 480 gehe ich aber später noch gesondert ein, bin noch am Fotos sammeln... :roll: :wink:
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:13

Hier ein Foto der Schaltwarte in Ostkreuz, besonders gut vom Bahnsteig A zu sehen:

Bild


Ein Besonderheit ist das "fahrbare Unterwerk" am Bahnhof Strausberg:

Bild

Bild


Aber dessen Tage sind gezählt, das neue Unterwerk wurde schon daneben errichtet:

Bild


Ebenfalls ein neues Unterwerk steht in Strausberg Nord:

Bild


Dieses geht hoffentlich bald ans Netz, in Strausberg Nord ist nämlich die Stromversorgung so schlecht, daß man mit einem Vollzug dort kaum wegkommt! Selbst wenn man im gesamten Zug die Heizung, und in vier Wagen die Antriebe abschaltet, geht beim Anfahren die Spannung auf 500-600 Volt runter! :shock: :x
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:13

Und weiter gehts....

Kommen wir heute mal zu einem dunklem Kapitel der Berliner S-Bahn, den Stromabnehmern meiner Lieblingsbaureihe 480: Obwohl insgesamt nur 85 VZ dieser Baureihe gebaut wurden, gibt es dort vier (!) verschieden Bauformen von Stromabnehmern. Die ersten drei unterscheiden sich nur durch die Optik, sind von der Handhabung aber gleich:

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild


Diese haben viele Nachteile, der größte ist, daß sie nur durch Luftdruck aus der Hauptluftbehälterleitung (HBL) angelegt an der Stromschiene bleiben! Also rasten sie in der angelegten Stellung nicht ein, was bedeutet: Kein Luftdruck -> kein Strom; kein Strom -> kein Luftdruck!

Im normalen Fahrbetrieb bedeutet das erstmal keine Einschränkung, es sei denn, man hat einen HBL-Schaden!

Aber zum Problem kann es werden, wenn man einen Zug aufrüsten muß, der lange Zeit abgerüstet war und keine Luft mehr hat! Für diesen Fall verfügen die Züge über Fußluftpumpen (!), mit denen der Tf die HBL aufpumpen muß, damit die SA anlegen... Man stelle sich die Blicke der Fahrgäste vor, wenn diese das mitbekommen würden... :roll: :wink:

Ein weiteres Problem dieser SA ist der häufige Verlust von Schleifschuhen! Wenn man Glück hat, reißt der komplette Schleifschuh ab... wenn man Pech hat, und das kommt häufig vor, bleibt der Schleifschuh am Kabel hängen und wird Flammenbogen-werfend hinterher gezogen, schließlich steht dieser dann noch unter Spannung. Er berührt dann vielleicht die Stromabnehmerabdeckung, die aus Metall besteht; die Gleisanlagen oder andere geerdete Teile und verursacht so Kurzschlüsse... :(

Natürlich sind diese Probleme bekannt und man hat jahrelang an einer Lösung gearbeitet, diese sieht so aus:

Bild

Bild


Diese SA wurden an den VZ 480 033 & 034 getestet, mittlerweile hab ich sie auch schon an anderen VZ gesehen. Sie funktionieren ähnlich wie die SA der BR 481, können manuell angeklappt werden und halten sich auch ohne HBL-Druck an der Stromschiene... Man kann nur hoffen, daß früher oder später alle VZ der BR 480 damit ausgerüstet werden.
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:14

So sehen die Stromabnehmer der Baureihen 475 und 476 aus:

Bild

Aufgenommen am Gleisreinigungszug (Staubsauger) der Firma H.F. Wiebe, einem umgebauten 476´er.
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:15

So, nach einiger Vorbereitungsarbeit, komme ich dann mal zu den Stromschienen:

Ganz früher gab es Stromschienen mit Holzabdeckungen, diese gibt es heute eigentlich* nicht mehr.

*Ich hab in letzter Zeit mal drauf geachtet und zwei Stellen entdeckt, wo man an stillgelegten Gleisen unter Gestrüpp diese noch erkennen kann. Ich werde versuchen mal Fotos davon zu machen, aber versprechen kann ich nichts.


Nach den "Holzstromschienen" kam dann diese Bauform hier (ich nenne sie Deutsche-Reichsbahn-Stromschienen), heute sieht man sie noch vereinzelt an Abstellgleisen und alten Betriebswerkstätten wie Bernau; Friedrichsfelde etc.:

Bild

Bild


Heute am meisten verbreitet ist diese Bauform:

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild


Es gibt die Abdeckungen auch in gelb, z.B. auf der Stadtbahn:

Bild


Das ist die etwas kompaktere Tunnel-Bauform:

Bild

Bild


Das sind die sogenannten Stromschienentrenner. In diesen Kästen befinden sich große Schalter, die man umlegen und damit die Stromschienen stromlos schalten kann. Im Störungsfall müssen auch Tf diese Schalthandlung durchführen, von daher werden wir regelmäßig darin geschult:

Bild

Bild


Dann gibt es die Aufgleisstücke, die in Weichenverbindungen dafür sorgen, daß der Schleifschuh unter die Stromschiene gedrückt wird. Das ist aus mehreren Gründen natürlich komfortabler als Stromschienenlücken:

Bild

Bild

Bild


Leider sind sie aber auch "Schleifschuh-Killer":

Bild


Und zu guter Letzt die Brückenleitschienen. Diese sorgen bei älteren Brückenbauarten ohne ausreichende Profilfreiheit dafür, daß der Stromabnehmer nach innen gedrückt wird. Sie haben übrigens große Ähnlichkeit mit den seitlich bestrichenen Stromschienen der Hamburger S-Bahn! Es gibt Brückenleitschienen die dauerhaft unter Spannung stehen (sehr gefährlich!) und welche, die nur durch die Züge und deren Durchgängigkeit unter den Stromabnehmern unter Spannung gesetzt werden. So lassen sich Trennstellen vermeiden, indem quasi die Viertelzüge untereinander sich über die Brückenleitschienen mit Spannung versorgen. Das funktioniert aber nicht bei einzeln fahrenden Viertelzügen:

Bild
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:16

Und das sind die Stromabnehmer der Baureihen 477 & 485:

Bild

Bild


Diese sind weitgehend problemlos... allerdings gibt es auch hier wieder Besonderheiten: Daß die BR 485 mit ihrer durchgehenden Starkstromleitung Trennstellen überbrückt, habe ich ja bereits geschrieben. Nun gibt es aber auch für diese Baureihe Trennstellen! Nämlich dann, wenn man nur mit einem Kurzzug unterwegs ist und die Stromschienenlücke länger als der Zug ist... auf Anhieb fallen mir da ein: Mahlsdorf nach Gleis 1, von Kaulsdorf kommend; Ostkreuz/Ring am alten Abzweig OKN; Ostkreuz von Bahnsteig A (S9) Richtung Warschauer Straße; Stresow über die Weichenverbindung Richtung Spandau... es gibt sicher noch mehr Stellen. Auch für Vollzüge gibt es im Netz eine Trennstelle, diese befindet sich im Bereich der Betriebswerkstatt Grünau, wenn man vom Bahnsteig aus über eine bestimmte Weichenverbindung fährt. Das gehört übrigens zur Streckenkenntnis, zu wissen, wo es solche Stromschienenlücken gibt!

Bei der BR 485 ist es nämlich in diesem Fall nicht einfach mit "Fahrsteuerung unterbrechen" getan... aber auch der Hauptschalter wird nicht ausgeschaltet. Viel mehr wird das sogenannte "Dämpfungsschütz" vom Tf bedient. Um zu erklären, wofür das gut ist, hab ich mal den betreffenden Absatz aus der Herstellerbeschreibung zur BR 485 (damals 270) eingescannt:

Bild


Das ist der Schalter:

Bild


Im Übrigen kann man das durchfahren einer Trennstelle im 485´er als Fahrgast daran erkennen, daß die Innenraumbeleuchtung kurz ausgeht und sich das Notlicht einschaltet. Fast so, wie damals bei den Altbauzügen...
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:17

Brückenleitschienen:

Bild
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:18

BorisM hat geschrieben:Hast Du von dem Ding vielleicht auch noch ein Foto? :-)


Hier ist das gute Stück... untergebracht im sogenannten "Notleiterkasten" im Fahrradabteil:

Bild

Bild

Bild


Und heute mal wieder eine typische Störung am 480´er.... abgeklappter Stromabnehmer wegen abgerissenem Schleifschuh: :x :(

Bild
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:18

Es gibt noch ein paar Hilfsmittel, die für den Gleichstrombetrieb notwendig sind.
Z.B. die sogenannte "Stromabnehmerschaltstange". Mit dieser lassen sich die SA der Baureihen 481 und 485 manuell ab- und anklappen. Diese befindet sich bei der BR 485 im Führerstand, beim 481´er in einer Türvoute (Tür 1 Links im ETA, also direkt hinter dem Führerraum):

Bild

Bild

Bild


Wenn die Gefahr besteht, daß Personen spannungsführende Teile berühren, muß der Triebfahrzeugführer den Kurzschließer ziehen: (hier bei der Baureihe 481)

Bild


Nach Personenunfällen z.B., muß der Tf zusätzlich gegen Wiedereinschalten der Fahrspannung sichern, ansonsten geht auch die Feuerwehr garnicht erst an den Zug ran. Dafür gibt es dann den tragbaren Kurzschließer. Dieser muß sowohl vor als auch hinter dem Zug an die Stromschiene gesetzt werden. Wie das dann aussieht, versuche ich noch zu zeigen.

Dieser tragbare Kurzschließer befindet sich bei der Baureihe 485 im Kleiderschrank im Führerraum; bei der BR 480 in einer Türvoute (ist durch ein "K" gekennzeichnet); bei der BR 481 unter einer Sitzbank neben dem Wagenübergang:

Bild

Bild

Bild

Bild
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:19

Fieto hat geschrieben:Kannst du vllt. auf der Siemensbahn schauen? Dort müsste es die Holzteile vllt. noch geben, oder?


Leider nicht, dort sind auch schon die DR-Stromschienen verbaut:

Bild
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:19

Leider auch bei der Stammbahn Fehlanzeige! Dort liegt die Stromschiene fein säuberlich neben dem Gleis, leider ohne Abdeckung:

Bild

Bild
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:20

Hier hat sich mal jemand mit einem Brückenleitschienenschaden (was für ein Wort ! :wink: ) beschäftigt: Klick !!!
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:21

So sieht es aus, wenn ein tragbarer Kurzschließer gesetzt wurde:

Bild

Bild

Bild
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:21

Hab endlich mal ein paar Fotos von den Holzabdeckungen machen können... hier in Lichterfelde West: (leider wurde es schon dunkel)

Bild

Bild

Bild
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Donnerstag 11. November 2010, 07:21

Und so sieht Stromschiene ohne Abdeckung aus:

Bild
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

kingwood
Beiträge: 10
Registriert: Samstag 22. Januar 2011, 13:16

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon kingwood » Sonntag 23. Januar 2011, 19:47

Cmbln hat geschrieben:Als Trennstellen werden Stromschienenlücken bezeichnet, die länger als ein Viertelzug sind. In jedem Fall sind diese Trennstellen durch Signale "El 1" gekennzeichnet. El 1 = Ausschaltzeichen -> Das bedeutet bei Wechselstrom: "Hauptschalter aus"; bei Gleichstrom "Fahrsteuerung unterbrechen".



Zum Verständniss:
"Fahrsteuerung unterbrechen" heißt nichts weiter, als den Fahrhebel nach "0" zu stellen, also quasi die Antriebsleistung wegnehmen? Oder lieg ich da falsch?

Und bremsen in solch einer Unterbrechungsstelle, würde der Zug dann mit Luft!?
Die dynamische Bremse müsste ja unwirksam sein?

Benutzeravatar
Cmbln
Beiträge: 7810
Registriert: Montag 18. Oktober 2010, 19:02
Wohnort: Berlin-Mahlsdorf (S5)

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Cmbln » Sonntag 23. Januar 2011, 22:28

kingwood hat geschrieben:
Cmbln hat geschrieben:Zum Verständniss:
"Fahrsteuerung unterbrechen" heißt nichts weiter, als den Fahrhebel nach "0" zu stellen, also quasi die Antriebsleistung wegnehmen? Oder lieg ich da falsch?

Und bremsen in solch einer Unterbrechungsstelle, würde der Zug dann mit Luft!?
Die dynamische Bremse müsste ja unwirksam sein?


Erstens: Richtig!
Zweitens: Nur, wenn das Bremsen genau in der Trennstelle begonnen wird und auch nur bei den BR 481 und 485. Der 480er hat eine Eigenerregung für die ED-Bremse.
©mbln
Alternative Suchfunktion ---> Bild

Bild

Benutzeravatar
Coladose
Beiträge: 398
Registriert: Sonntag 7. November 2010, 15:57
Wohnort: S-Bahn-Geburtsstadt

Re: [Sammelthread] Alles über den Gleichstrombetrieb

Beitragvon Coladose » Montag 24. Januar 2011, 16:32

Mal noch 'ne Frage zum Kurzschließer:

Wie genau funktioniert der, wenn du den an die Stromschiene angeklemmt hast? Erdet der die Stromschiene etwa mit dem Gleis? Nee, geht doch nicht, oder? Dann stünde doch das ganze Gleis unter Strom. :lol:
EDIT: Ach nee halt mal: Das Gleis liegt ja auf der Erde, von daher wäre es also doch eine Erdung?! *schon lange kein Physik mehr hatte* xD


Auf jeden Fall noch einmal ein ganz großes Danke an dich, dass du uns das alle so ausführlich erklärst. :mrgreen:
BildBild
Aber: Es gibt auch Ausnahmen!


Zurück zu „Berlin“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste